Moses meint…zum Fall Kardelen
Der Fall Kardelen
Es ist wieder einmal so weit. Ein türkischstämmiges Mädchen wird tot aufgefunden in Deutschland. Von Sao Paulo bis Peking von Wladiwostok bis New York denken Menschen aller Hautfarben und Religionen sofort an Glatzen, Aufmärsche, deutsche Menschenverachtung und Menschenfeindlichkeit.
Schon wieder ein Migrant, schon wieder ein hilfloses Kind.
Die ganze Welt spürt instinktiv und sofort wer dafür verantwortlich ist, welcher Beweggrund hinter der Tat steckt. Nur die Deutschen nicht.
Statt sich sofort der Sache zu stellen, statt sich um Aufklärung zu bemühen, statt die Suche nach dem deutschen Täter zu beginnen und das mit einer notwendigen Diskussion über den deutschen Vernichtungswahn zu verknüpfen, was logischerweise in einer sofortigen Auflösung Deutschlands und des deutschen Volkes führen müsste, statt also die zivilisatorischen Minimalbedingungen einzuhalten, wird die Gelegenheit genutzt genau das Gegenteil zu tun.
Zeitungen, staatliche Stellen und der Volksmob arbeiten sofort und wie eh und je Hand in Hand daran, eine Pogromstimmung gegen Migranen, genauer gesagt gegen die verhassten Türken, anzufachen. Das ist nicht schwer in Deutschland und hat eine lange Tradition.
Die Hassmaschinerie ist gut geölt und die Fließbandarbeiter der negativen Fabrik routiniert.
Allerorten wird nun das Bild des türkischen Vergewaltigers und Kinderschänders bemüht, man beginnt nach diesem Phantom zu fahnden und will damit die migrantischen Bürger unter Druck setzen. Angst und Schrecken herrscht in der türkischstämmigen Community. Jeder kann ins Kreuzfeuer der nazideutschen Propaganda geraten. Man fragt sich, wie der Vernichtungswahn der Teutonen diesmal hervorbrechen wird, ob wieder einmal Häuser brennen oder Menschen durch die Straßen getrieben werden. Man denkt daran, wie man dieses Land Tag für Tag aufbaut, wie man Tag für Tag die Renten der deutschen Naziopas und der jungarischen Hartz4-Empfänger erwirtschaftet, die sich zwar zu fein zum Arbeiten sind, aber keine Menschenjagd auslassen.
Und endlich finden die Erben des Herrn Dr. Goebbels ihr Opfer.
Einen jungen türkischstämmigen Bürger, der mit falschen Versprechungen in das Land der Täter gelockt, hier von der Maschinerie der deutschen Wirtschaft ausgenutzt wurde, und Schlussendlich seine Bestimmung als Sündenbock fand.
Einen sanften, gebildeten Menschen, musikalisch, kulturell vielseitig Interessiert. Ein Kenner der Werke Adornos und Horkheimers, ein Humanist und Freidenker, kurzum: das ideale Hassobjekt für den teutonischen Volksmob.
Gejagt und gehetzt fand dieser Mitmensch Zuflucht in der Türkei und nur die Waffen und der Mut der türkischen Armee stehen zwischen ihm und der selbstgerechten und verlogenen „Justiz“ der Täter.
Ich möchte, dass die ganze Perfidie dieser Menschenjagd in aller Welt bekannt wird. Viele israelische Freunde haben mich in den letzten Tagen besorgt zum Thema befragt, und ich konnte ihnen nur die traurigen Fakten darlegen.
Aber bei aller Gutmütigkeit, bei allem Humanismus, bei aller Menschenliebe sollten wir uns fragen: Müssen wir hier dem Rad nicht in die Speichen fallen? Sollte man nicht zur Tat schreiten, und der Verbrecherbande endgültig das Handwerk legen? Oder wie viele Migranten müssen noch sterben, erschlagen, verbrannt, geschändet und zu Tode gehetzt werden?
Wenn die Deutschen offenbar nicht mit den türkischstämmigen Menschen zusammenleben wollen, muss man den deutschen Störenfried dann nicht dauerhaft des Platzes verweisen, schon allen um die republikanischen Errungenschaften zu schützen, die Türkischstämmige hier aufgebaut und erkämpft haben?
Moses T. Lindenklotz